Gemeinsam mit der Stiftung Humboldt-Universität und deren Förderern hat die Humboldt-Universität das besondere Format des Humboldt-Stipendiums (im Rahmen des Deutschlandstipendium-Programmes) eingerichtet: die Themenklasse.
Seit der Einführung des Deutschlandstipendiums an der Humboldt-Universität im Jahre 2011 hat sich dieses Stipendienprogramm etabliert und findet sowohl in Wirtschaft und Gesellschaft als auch bei Studierenden großen Anklang. In der Themenklasse der Stiftung Humboldt-Universität arbeiten 15 Studierende ganz verschiedener Fachrichtungen gemeinsam zum Thema „Nachhaltigkeit & Globale Gerechtigkeit“.
Erstmalig im Jahr 2023 konnte eine neue Themenklasse zu der Ausgrabungskampagne in Ostia Antica gegründet werden. Im Rahmen des Deutschlandstipendiums konnten dadurch fünf Studierende gefördert werden, welche sich der Ausgrabungskampagne in Ostia Antica widmen.
Wissenschaftliche Einbettung der Themenklasse
Die Themenklasse „Nachhaltigkeit & Globale Gerechtigkeit“ im Rahmen des Humboldt-Stipendiums ist wissenschaftlich in das integrative Forschungsinstitut der Humboldt-Universität, das IRI THESys, eingebettet. Hier forschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler interdisziplinär an Themen wie Landnutzungsänderungen, integrierten Ernährungssystemen, globalen Wasserkreisläufen sowie Anpassung an den Klimawandel und Infrastrukturen.
Die jungen Forscherinnen und Forscher sollen durch das Stipendium progressive und innovative Ansätze an den Schnittstellen von Geistets-, Sozial und Naturwissenschaften sowie zwischen Wissenschaft und Gesellschaft kennenlernen und selbst anwenden. Sie haben die Möglichkeit, das Wissen und die Methoden ihres jeweiligen Studienfachs in die gemeinsame, interdisziplinäre Arbeit einzubringen und somit eine ökologische, ökonomische, ethische und soziale Betrachtung der Problematik zu ermöglichen.
Themenklasse 2026/27
Ab dem 1. April 2026 wird eine neue Themenklasse zum Thema „Auswirkungen des Klimawandels und der Weg zu Klimaneutralität und Klimaresilienz“ ihre Arbeit aufnehmen. Die Themenklasse wird sich am Fallbeispiel „Campus Adlershof“ mit möglichen Maßnahmen für einen klimaneutralen und klimaresilienten Wissenschaftsstandort auseinandersetzen.
Abgeschlossene Forschungsprojekte der Themenklasse
Auf der Webseite der Themenklasse können Sie die ausführlichen Präsenationen der abgeschlossenen Forschungsprojekte der Themenklasse finden.
Projekt 2025/26: Ernährung, Landwirtschaft und Landnutzung in einer klimaneutralen Gesellschaft
Für die Themenklasse 2025/26 stand das Thema „Ernährung, Landwirtschaft und Landnutzung in einer klimaneutralen Gesellschaft“ auf dem Arbeitsprogramm. Zum einen sind diese Bereiche von großer Bedeutung für das menschliche Wohlergehen und die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen. Zum anderen ist eine starke Reduktion der Treibhausgas-Emissionen wie auch der Erhalt und Aufbau von Kohlenstoffsenken in diesen Bereichen schwierig umzusetzen. Schließlich müssen die notwendigen Maßnahmen spezifisch für den regionalen Kontext entwickelt werden. Die Themenklasse 2025/26 setzt sich am Beispiel der Region Berlin-Brandenburg mit möglichen Maßnahmen und den politischen Rahmenbedingungen für eine klimaneutrale Ernährung, Landwirtschaft und Landnutzung auseinander.
Projekt 2024/25: Nachhaltigkeit und Demokratie
Sowohl Nachhaltigkeit als auch Demokratie sind zunehmend unter Druck. Während multiple Krisen wie die Klimakrise einige Menschen zu politischer Teilhabe motivieren, befürchten andere Menschen eine Einschränkung von Freiheiten. Fragen nach Eignung und möglichem Reformbedarf von Demokratie angesichts der multiplen Krisen treibt viele um. Andere wiederum sehen langfristiges ökologisches Wohlergehen als Voraussetzung für erfolgreiche Demokratie an; und – umgekehrt – demokratische Prinzipien als Grundvoraussetzung für Nachhaltigkeit. Die Themenklasse 2024/25 hat sich mit diesem Spannungsfeld auseinandergesetzt.
Projekt 2023/24: Die Rechte der Natur – Recht auf Nahrung?
In verschiedenen Disziplinen und Teilen der Gesellschaft wächst das Bewusstsein für globale Nachhaltigkeitsprobleme und die Dringlichkeit, irreversible Schäden zu verhindern. Die Themenklasse erforschte, wie Rechte der Natur als Mittel diskutiert und weltweit angewendet werden, um gesellschaftliche Interessen an ökologischen Funktionen zu stärken und die Basis für legitimes Handeln zu schaffen.
Projekt 2022/23: Licht und Schatten der Mobilitätswende
Wir befinden uns in einer Mobilitätswende: Das langsame Ersetzen von Verbrennungsmotoren, Ausbau und Ergänzung des ÖPNV durch digital organisierte Sharing-Modelle, autofreie Zonen in Innenstädten – dies sind nur einige Antworten auf die Klimakrise und die zunehmende Abnahme der städtischen Lebensqualität. Es entstehen neue Verkehrsmodelle, neuartige Geschäftsmodelle und das individuelle Mobilitätsverhalten wird „multimodal“. Diese Skizze zeigt: die Mobilitätswende braucht verschiedene Arten von Innovationen in kommunal angepassten Kombinationen. Diese können – allgemein betrachtet – erwünschte und unerwünschte Wirkungen haben, die oft erst im Zuge ihrer Umsetzung sichtbar und verstanden werden.
Die Themenklasse 2022/23 beschäftigte sich mit den Licht- und Schattenseiten der Mobilitätswende. Einerseits wurden derzeitige Entwicklungen kritisch hinterfragt, andererseits wurden neue Mobilitätsideen entwickelt, bewertet und ausprobiert. Es besteht die Möglichkeit, in Partnerschaft mit der Kommission Nachhaltige Universität des Akademischen Senats Projekte direkt an der HU durchzuführen.
Projekt 2021/22: Wissenschaftskommunikation
Die Studierenden konzentrierten sich auf die aktuellen Herausforderungen der Wissenschaftskommunikation und den Austausch zwischen den Wissenschaftsbereichen und -gesellschaften und erarbeiteten, wie und in welchen Formaten Wissenschaftskommunikation wirksam sein kann. Darüber hinaus wurden die Finanzierung von Forschungsprojekten sowie das Selbstverständnis von Forschenden an der HU untersucht.
In vier Gruppen nutzen die Studierenden mehrere quantitative und qualitative Methoden, darunter Experteninterviews, Umfragen und quantitative Analysen von Datenbanken, um ihre Forschungsfragen anzugehen. Mit dem Ziel: Zusammenhänge von Wissenschaft, Gesellschaft und Politik zu untersuchen und zu hinterfragen, Zusammenhänge, Abhängigkeiten und Unabhängigkeiten zwischen mehreren Akteuren aufzudecken und gemeinsam die Ergebnisse ihrer Forschungsgruppen zu diskutieren.
Projekt 2020/21: Wissenschaftliches Reisen
Die Themenklasse 2020 setzt sich insbesondere mit dem Ansatz auseinander, die Einführung des CO2-Preises für den Verkehrssektor mit Anreizen zu verbinden. Wie sinnvoll ist der Ansatz? Welche Konsequenzen und welche Nachsteuerungsmaßnahmen
können bei Nichteinhaltung wirksam sein? Wie kann ein Kontrollprozess aussehen?
Was sind klimafreundliche Optionen?
Die ETH Zürich hat festgestellt, dass die Hälfte ihrer Treibhausgas-Emissionen von Flugdienstreisen verursacht ist. Die Stipendiat*innen der Themenklasse herstellen einen Bezug ihrer Forschung auf den (Universitäts-)Alltag indem sie mit der Debatte um die Selbstverpflichtung der Wissenschaftler*innen, die Bahn statt das Flugzeug zu nutzen, einen realistischen Feldzugang haben. Es wird untersucht, welche Mechanismen das Reiseverhalten antreiben und welche Konsequenzen ein Verzicht bringen würde. Die Studierenden ergänzen diesen quantitativen und qualitativen Zugang um normative Perspektiven.
Das Forschungsprojekt wurde der neu gegründeten Kommission Nachhaltige Universität des Akademischen Senats vorgestellt und die Abschlusserkenntnisse der Themenklasse werden in die Klima- und Nachhaltigkeitsstrategie der HU einfließen .
Projekt 2019/20: Wasserknappheit
Im Förderungsjahr 2019/2020 drehten sich die Forschungsprojekte der Themenklasse rund um Wasserknappheit. Dabei sind die Forschungen dieser Gruppe so facettenreich wie das Forschungsobjekt selbst. Die Mini-Forschungsprojekte der einzelnen Gruppen nähern sich dem Thema Wasser und Wasserknappheit anhand spezifischer Fallstudien, wie bspw. dem Berliner Müggelsee oder deutschem Kartoffelanbau, über philosophische Abhandlungen und systemdynamische Modellierungen. Den Anstoß für die Themenwahl gab die europaweite Dürre im Sommer 2018.
Alle Forschungsergebnisse zeigen eine Gemeinsamkeit: Wer sich mit Wasser wissenschaftlich auseinandersetzen möchte, wird mit äußerst komplexen Zusammenhängen und globalen Verflechtungen konfrontiert. Wie wirken sich etwa die planetaren Klimaveränderungen auf landwirtschaftliche Betriebe und ihre Bewässerungssysteme aus? Welche Rückkopplungseffekte können bei bestimmten Handlungsstrategien unbeabsichtigterweise entstehen? Welche Konflikte entstehen bei der Aushandlung angemessener Klimaanpassungsstrategien zwischen Trinkwasserversorgung und dem Sicherstellen von Ökosystemleistungen? Wie hängen diese Dynamiken damit zusammen, wie wir Wasser überhaupt verstehen und für uns greifbar machen können?
Ihre Unterstützung
Die Stiftung Humboldt-Universität möchte weiterhin die Themenklasse „Nachhaltigkeit & Globale Gerechtigkeit“ im Rahmen des Humboldt-Stipendiums fördern. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung. Für die Finanzierung der Themenklasse werden jährlich 30.360 € veranschlagt.
Dieser Betrag setzt sich zusammen aus:
- 15 Deutschlandstipendien für ein Jahr à 1.800 Euro: 27.000 Euro
- Hälfte der Personalkosten für studentische Hilfskraft mit 40h/Monat: ca. 3.360 Euro (die andere Hälfte der Kosten wird von der HU getragen)
Wir freuen uns, wenn Sie uns persönlich kontaktieren und die Themenklasse mit einer Spende unterstützen würden.

